Archive for the ‘wirtschaft’ Category

Was wurde aus dem Klassenkampf?

April 30, 2009

Morgen ist der erste Mai. Der Tag der Arbeit. Der Kampftag der Arbeiterbewegung.
Vor 123 Jahren fand in Amerika auf dem Heumarkt eine große Veranstaltung der Gewerkschaften statt, sie kämpfen gegen einen 12 Stunden Tag und für einen 8 Stunden Arbeitstag. Ja, diese für uns heute so selbstverständliche Regelung musste man sich jahrzehntelang erkämpfen. Am 4. Tag der (mit wenigen Ausnahmen überwiegend friedlichen) Proteste warf jemand einen Sprengsatz in die Menge, 12 Zivilisten und mehrere Polizisten starben. Mehrere an dem Tag Reden haltende, und mitorganisierende Anarchisten wurden verurteilt und teilweise hingerichtet, nicht weil man irgendwelche Beweise für ihre Schuld hatte, sondern weil der Bombenwerfer “auf Grund der Ideen dieser Männer” gehandelt habe, und sie daher ebenso schuldig sein müssten.

Damit wurde die internationale Tradition des ersten Mai als Tag des Arbeitskampfes begonnen, welche bis heute nominell fortbesteht.
Doch wo ist der Arbeitskampf heute? Wir stehen vor der verheerendsten Krise des Kapitalismus seit seinem Bestehen. Der Neoliberalismus hat die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds getrieben, und muss nun von uns gerettet werden. Selbstheilungskräfte des Marktes? Am Arsch! Es gab nur ein Hinauszögern des großen Zusammenbruchs, ein immer weiteres Vergrößern der Blase, auf der fast unsere gesamte Wirtschaft stand.
Dank Parteien wie der CDU/CSU oder der ÖVP haben wir auch die ureigensten Funktionen des Staats veräußert, privatisiert und dem “Markt” überlassen. Der Staat mag nicht der beste Wirtschafter sein, aber es kann bei öffentlichen und sozialen Funktionen nicht darum gehen, Gewinn zu machen! Der Staat soll nicht Gewinn machen, er soll seinen Bürgern dienen, und das gleiche gilt für alle im Staatsbesitz befindlichen Betriebe.
Doch wo sind die arbeitenden Massen, die eine Veränderung fordern? Wo sind die Generalstreiks, die Massenveranstaltungen, der [u]Arbeitskampf?[/u] Es geht nicht nur darum den Status quo wieder herzustellen. Es geht darum für eine bessere Welt zu kämpfen, für uns und für unsere Kinder. In anderen europäischen Staaten ist dies bereits Realität. Man streikt, man protestiert, man zeigt die geballte Faust. In Frankreich werden Manager gefangen genommen, in Irland verwüstet man die Villen der Bankchefs.
Veränderungen entstehen dann, wenn die herrschende Klasse Angst hat. Angst vor den Massen, Angst vor Unruhen, Angst ihr Vermögen nicht mehr genießen zu können oder zu verlieren. In dem Moment, wo sie keine ruhige Minute mehr haben, um ihren Reichtum zu genießen, in dem Moment werden sie mit Freude am Verhandlungstisch sitzen und Zugeständnisse machen.
Doch was ist in Deutschland und (in sogar noch größerem Maße) Österreich? NICHTS! Morgen werden wieder einige hundert selbsternannte Rächer der Unterdrückten Mülltonnen anzünden, ein paar Bankauslagen einschlagen und Polizeiautos umwerfen. Doch kann das der Weg sein? Sicher nicht. Wir brauchen eine Massenbewegung, Organisationen die auch wirklich die Arbeiterklasse vertreten, nicht Kaderschmieden die im Nadelstreifenanzug an der Spitze stehen.
Sozialdemokraten und Gewerkschafter haben das Vertrauen der Bürger oft genug enttäuscht, sie haben sich zum Werkzeug neoliberaler Wirtschaft machen lassen. Großkoalitionär und sozialpartnerschaftlich. Dekadent und feig. Es ist nötig sich von diesen Altlasten zu befreien und eine basisdemokratische von unten kommende Protestbewegung aufzubauen. Es ist nötig, auf die Straße zu gehen, Verbindungen zu knüpfen und Ansprechpartner zu finden.
Man muss den Klassenkampf wieder aufnehmen, nicht nur gegen die Kapitalisten, sondern auch gegen die sozialdemokratischen Eliten und Gewerkschaftsbonzen.

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Biosprit – Euer Wohlstand ist unser Hunger

August 29, 2008

– Gastartikel von Korhal –

Ich las es vorhin in der Zeitung. (freie Presse, sächsische Tageszeitung)
Sicherlich ist für die meisten die Erkenntnis nicht einmal neu…die Vermutung war ja bei vielen schon vorhanden, aber jetzt existiert auch endlich ein vernünftiger Bericht dazu.
Die Weltbank stellte nun vorgestern den seit April bekannten Bericht über die Entwicklung der Lebensmittelpreise vor.
Es heißt, dass man „aus Rücksicht gegenüber Georg W. Bush den Bericht bislang nicht veröffentlicht habe“.
In ihm geht man von einer Preissteigerung der Lebensmittel aufgrund des Biosprits von 75% aus.
Anders als die Studien der USA, unter anderen durch den US-Marktführer Monsanto gesponsert, die lediglich von einer Steigerung im Bereich von 3% ausgehen.
Monsanto ist das größte Biotechunternehmen der USA und treibt vor allem die Produktion und Verbreitung von genmanipulierten Sojamais voran.
Teilweise auch durch gezielten Druck auf die Regierungen der Staaten.
Erstes Ergebnis kann man hier nachlesen:
http://www.spiegel.de/politik/auslan…548504,00.html

Wer zu faul ist:
Monsanto konnte im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres eine Steigerung ihrer Nettogewinne um 107% verbuchen, dass entspricht einer Summe von 1,1 Milliarden Dollar.
Der Umsatz stieg um 45 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar.
Weiteres Ergebnis: 800 Millionen Menschen hungern!
In 35 Ländern der Erde gab es bereits Proteste, Exportländer für Lebensmittel wie China, Indien und Brasilien verhängten indessen ein Exportverbot, was zwar die Preise im eigenen Land stabil hält, dafür auf dem Weltmarkt nach oben treibt.
Weltweit wurden 2008 ca. 11,8 Mrd. Liter Biosprit verbraucht.
Davon entfielen 7825 Million Liter alleine auf die Europäische Union, zum Vergleich: Die USA verbrauchen „nur“ 1476 Millionen Liter.
Weitere Staaten der Erde sind unter anderem Kanada, Indien und Australien, die jedoch teilweise ihren Verbrauch durch die eigene Produktion decken können.
Mal noch ein Bild dazu:
http://media.de.indymedia.org/images/2008/04/213911.png

Nun muss man sich berechtigt fragen:
Ist es richtig, dass wir, ja wir alle, unseren Wohlstand beibehalten und andere Menschen dafür töten?
Ich wähle bewusst das Wort „töten“, den auf Dauer ist Hunger ein Indikator für Gewalt und zwar mitunter der Wirksamste, wie man vielleicht bei den Aufständen in Haiti sehen konnte, als man die dortige Regierung stürzte.
Letztlich ist vor allem die Politik der EU, aber auch unser selbstverständlicher Wohlstand ein Grund dafür, dass wir auf dem Rücken von ca. 80-85% der Erdbevölkerung so leben, wie wir leben.

Fadenscheinig dagegen die Begründung unseres Herrn Seehofer:
„Weltweit gibt es 42 Millionen Quadratkilometer landwirtschaftlicher Nutzfläche, von denen 15 Millionen tatsächlich genutzt werden.“
Der Minister vergisst, dass nicht jeder Quadratkilometer die selben Bedingungen vorweisen kann und somit unterschiedlich stark von außen gefördert werden muss.
Seien es Düngemittel, zusätzliche Bewässerung (die Länder mit den größten Anbauflächen haben teilweise die unterentwickelste Technik bzw. gar keine) oder einfach die klimatischen Bedingungen.
Anstatt das die G8 Staaten, demnächst in Japan zu bewundern, sich gegen ein weltweites Spekulationsverbot für Lebensmittel einsetzen, wird eher darüber gestritten, um wieviel man den nun die Agrarforschung, die in den letzten 20 Jahren nur einen Weg kannte (nämlich stetig sinkend) wieder anheben müsse, damit man das Problem löse.
Vorrangig dabei: Mal wieder sollen die Entwicklungs- und Schwellenländer die Last tragen, während die westlichen Wohlfahrtsnationen das Geld zuschiessen.
Eine Einschränkung im Lebenstil, ein generelles Umdenken lehnen vor allem die USA strikt ab, was angesichts obiger Zahlen wohl auch keinen mehr sonderlich überrascht.

Wie lange wird es also dauern, bis sich der Hass und die Wut der armen Weltbevölkerung nicht gegen die eigenen Leute, sondern gegen die wahren Urheber ihrer Probleme richten wird, nämlich uns, die westlichen Gemeinschaften?

Die Daten von Millionen Bankkunden um 45 Euro verkauft.

August 26, 2008

Ja, England (die ja die absoluten Vorreiter in Sachen Überwachung und Datensammlung sind) folgt ein Datenskandal dem nächsten… da werden nebenbei die Daten von 25 Millionen Kindergeldempfängern verloren, verliert man die Daten aller Gefangenen in England, verliert man die Daten von 3 Millionen Autofahrern, lassen Beamte Laptops mit brisanten Daten (unter anderem über El Kaida) in Pubs oder im Zug liegen und und und…

und das sind nur die, die in den letzten Monaten bekannt wurden, wieviele nicht bekannt wurden, weil der Finder/Käufer sich nicht meldete, oder es einfach vertuscht wurde, können wir wohl nur raten.

Jetzt wurde wieder ein PC mit den Daten von einer Million Bankkunden per ebay versteigert. Auch diesmal wieder das Glück, dass der Käufer sich sofort bei der Polizei meldete als er erfuhr auf welchen Daten er da sitzt… Die wären nämlich am freien Markt Millionen wert…
Ein ehemaliger Angestellter von „Graphic Data“ die diese Daten verwaltet hatte seinen alten PC verkauft, auf dem zufällig noch die Daten gespeichert waren…

da kommt gleich die Zusätzliche frage, wie kommt ein Angestellter dieser Firma dazu die sensiblen Daten von millionen Bankkunden auf seinem Heim PC zu haben?

Umso mehr Daten gespeichert werden, umso mehr geraten auch in den Umlauf, das zeigt uns England sehr eindrucksvoll. Das einzige was man dagegen tun kann ist so wenig Daten wie irgendwie möglich zu sammeln!

ÖVP für finanzielle Entlastung der Reichen.

August 18, 2008

Ja, Molterer muss ja was für seine Geldgeber tun… Lustig ist, wie er Sachverhältnisse umdreht… er findet es laut orf.at unfair wenn nur „7,5 Prozent der Lohnsteuerpflichtigen für 45 Prozent des Lohnsteueraufkommens aufkommen“

klingt ja recht nett, doch was wirklich unfair ist, dass das reichste Fünftel der Österreicher 46% des gesamten Bruttolohns der Österreicher verdienen.

Es ist unfair das die reichsten 10% die Hälfte des Privatvermögens aller Österreicher besitzen, und die ärmsten 50% der Österreicher besitzen nur 2-3% des Privatvermögens!

Es ist unfair, dass eine Million Österreich armutsgefährdet sind und eine halbe Million in Armut lebt.

Es ist unfair, dass die reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer.

Quelle für die obigen Aussagen (wenn mir wer sagt wie ich einzelne Seiten innerhalb einem pdf verlinken kann, dann verlink ichs euch genauer)

„Reicher Mann und armer Mann
standen da und sah‘n sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär‘ ich nicht arm, wärst du nicht
reich.“
(Berthold Brecht)

Hohe Spitzensteuersätze klingen zwar nett, aber auch hier muss man wieder reflektiert betrachten. Denn ein Manager der 1 Million verdient (reine Hausnummer) muss zwar 45% Steuern zahlen (wobei der sich ohnehin einen guten Steuerberater leisten kann, die real gezahlten Steuern liegen also weit unter dem, aber darauf geh ich jetzt mal nicht näher ein), aber im Gegensatz zu einem “normalen” Arbeiter braucht er nur für einen kleinen Teil davon sozialversicherungsbeiträge zahlen.

Denn ab einer bestimmten Grenze (2008 lag die bei 5300 Euro) muss man keine Sozialversicherungsbeiträge mehr bezahlen. Und das sind satte 20%.

Das bedeutet also, (bei einem Gehalt von 1 Million halte ich 20% von 5300 Euro für vernachlässigbar) das ein Manager um 20% weniger an den Staat abgeben muss, als ein “normaler” Bürger. Der hat natürlich eine niedrigere Steuerquote, aber da kommen immer noch 20% Sozialversicherungsbeiträge dazu. Das gilt für die Großverdiener nicht.

Sozial? Sicher nicht!

Danke übrigens an Sergej, der mich darauf das erstemal aufmerksam gemacht hat und es auch recht anschaulich erklärt hatte

Probleme der AUA übertrieben, um Privatisierung durchzusetzen.

August 12, 2008

Und das ist sicher kein Einzelfall.
Seit einiger Zeit liest man ja immer wieder, wie schlecht die AUA ja da stehe und wie dringend sie eine privatisierung nötig habe… jetzt haben dann auch SPÖ und ÖVP beschlossen sie komplett privatisieren…

Allerdings gingen jetzt einige Austrian Airlines Manager an die Öffentlichkeit die aussagten, dass die AUA wesentlich besser dastehe als dargestellt und sie unter Druck gesetzt wurden, damit sie in der Öffentlichkeit ein möglichst negatives Bild der AUA malen, damit die Privatisierung noch vor der Nationalratswahl im Herbst über die Bühne gehen kann. Welcher Partei eine solche Privatisierung in die Hände spielt ist klar und die ÖVP hat ja schon mehr als oft gezeigt, dass sie keinerlei Probleme hat mit illegalen und/oder Fragwürdigen Mitteln zu arbeiten, um einen Wahlkampf zu gewinnen. Sieht man auch am Beispiel Arigona, wo die ÖVP sich illegal Daten über sie und ihre Familie beschafft hat, um damit die öffentliche Stimmung gegen sie zu wenden.

Das staatliche Betriebe absichtlich heruntergewirtschaftet und schlecht dargestellt werden, sieht man ja auch bei vielen anderen Staatsbetrieben… Beispielsweise die ÖBB und die Post. Damit veruntreut die Regierung Milliarden, welche dem österreichischen Volk zustehen und zerstört gleichzeitig die öffentliche Grundversorgung.

Total liberal

August 5, 2008

Gastartikel von Aaron Bruchmiller

Das LIF kandidiert wieder. Und wieder mit dieser netten und kompetenten Heide Schmidt. Diese wird mancherorts sogar mit Barack Obama verglichen. Die österreichische Tageszeitung “Der Standard” versucht seine sonst so betont kühle Art irgendwie aufrecht zu erhalten, obwohl er hinter dieser Fassade vor Freude schon zu schwitzen anfängt: Endlich hat auch diese Zeitung eine Partei, die ihrer Weltanschauung genügt. Aussen (=gesellschaftspolitisch) irrsinnig progressiv, hinter mittlerweile nicht mehr ganz so oft vorgehaltener Hand fällt auch oft das Wort links.

Ziemlich viel Lobhudelei für eine Kleinstpartei. Okay, klein heißt ja nicht unbedingt schlecht und jene Menschen, die Schmidt die FPÖ Vergangenheit allzu oft ankreiden, haben wahrscheinlich wohl Angst vor ihr. Frau darf wohl noch klüger werden im Alter, passiert ja sowieso viel zu selten. Aber das wirklich problematische an den Liberalen ist ja, dass sie den Auswüchsen des Kapitalismus mit einem menschlichen Anstrich verpassen wollen und die alten Ideen als neue verkaufen wollen. Ein bisschen Sonntagsarbeit gefällig? – Nein? – Na, mit einem Patzen Homo-Ehe und Religionskritik schaut das ja gar nicht so schlimm aus. Das Auge isst ja bekanntlich mit. Und große Patzen können ziemlich viel schirche Sachen überdecken.

Im Programm des LIFs wird neben des grundsätzlichen Staatsbesitz an Industrie auch des der ÖBB kritisiert: Im Klartext sollen auch die wegen mangelnden “Effizienz” privatisiert werden. Noch so welche, denen nicht eingeht, dass öffentlich und somit umweltfreundlicher Verkehr einfach nicht billig ist.  Grundsätzlich denken die Liberalen daran, Regulation des Staates durch eine der Marktwirtschaft zu ersetzen. Und der gilt, wie auch die Liberalen eingestehen, das Prinzip des Leistungsfähigeren. Andererseits sollen aber im gesellschaftlichen Bereich die Benachteiligten emanzipiert und gefördert werden. Banales Beispiel:Wie bitte soll ein Kärntner Slowene und ausgebildeter Bürokaufsmann (das LIF wird von der Partei der Kärntner Slowenen “Enotna lista/Einheitsliste” unterstützt), der deutschen Sprache nicht ganz so mächtig und angenommen mit Legasthenie genauso wettbewerbsfähig sein wie seine in Österreich geborene Kollegin.

Folgender Schluss: Gesellschaft als abgeschlossenen Bereich zu sehen, scheint zwar Mode bei den Konservativen und Liberalen zu sein. Aber um effektive Poltik im sozialen und gesellschaftlichen Bereich betreiben zu können, muss der wirtschaftliche Background stimmen. Und dass die freie Marktwirtschaft, in der sich das “frei” eben nur auf Wirtschaft bezieht,  da auch nur kleinste Möglichkeiten bietet können auch nur ebensolche Parteien bestätigen, denen ein dieses System auch zugrunde liegt: Sie werden fast ausschließlich von einem Baukonzern finanziert, dessen Chef sich so die Möglichkeit erkauft industrielle Meinungen auch in der Öffentlichkeit zu pushen.

Dankbarkeit gegenüber dem Arbeitgeber.

Juli 25, 2008

In einem Post hat Kylex gerade gemeint: „ein arbeitnehmer hat sich dazu entschieden, das entgelt für seine arbeitsleistung zu akzeptieren – und daher sollte er dankbar sein, dass er die möglichkeit hat, seine arbeitsleistung vergütet zu bekommen“

In Deutschland herrscht ja traditionell eine relativ arbeitgeber freundliche Atmosphäre, die sich auch in der geringen Streikbereitschaft der meisten Arbeitnehmer äussert. Es gibt zwar eine gewisse Veränderung in letzter Zeit, aber trotz allem ist Deutschland (und auch Österreich) noch weit davon entfernt ein vernünftiges Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu haben.

Das obige Zitat ist jetzt nur exemplarisch, ich denke sogut wie alle kennen dieses Phänomen. Auch die Solidarität mit Streikenden ist in der Öffentlichkeit meist ziemlich gering, nicht zuletzt aber auch durch falsche Streiktechniken. Klar, wenn Beamte des öffentlichen Dienstes Streiken, dann muss das auch die öffentlichkeit spüren. Aber wenn es andere Möglichkeiten gibt den Arbeitgeber unter Druck zu setzen, dann muss man auch auf diese zurückgreifen und nicht die Bevölkerung gezielt gegen sich aufbringen.

Gesehen beispielsweise bei den Lokführerstreiks der deutschen Bahn… Der Personenverkehr wurde zwar massiv bestreikt, aber der macht nur einen Bruchteil des umsatzes der Bahn aus. Wo man streiken hätte müssen wäre der Warenverkehr gewesen… Dort verdient die Bahn ihr Geld, der Personenverkehr hätte weiter laufen müssen.
Aber auch ohne solche taktischen Fehler ist die solidarität mit Streikenden tendenziell sehr gering bei uns.

Wenn man da in Länder wie beispielsweise Frankreich schaut, wo die Arbeitnehmer eine wesentlich kampffreudigere Vertretung haben. Dort wird mit allen Mitteln ein Stück vom Kuchen eingefordert.

Der gläserne youtuber. Google verliert gegen Viacom.

Juli 7, 2008

Noch ist das Gerichtsverfahren von google gegen Viacom nicht vorbei, aber Viacom (Der Mutterkonzern von MTV, Comedy Central und anderen) hat einen wichtigen Teilsieg errungen. google muss sämtliche Nutzerdaten (Logs) von youtube an Viacom übergeben, darunter fallen „für jedes gesehene Video die eindeutige Login-ID des Nutzers; die Zeit, zu der der Nutzer das Video anzusehen begann; die IP-Adresse … des Nutzercomputers; und die ID des Videos“ Quelle

Da google schon seit Jahren Daten über das Nutzungsverhalten der Internetuser hortet, belaufen sich allein die Nutzerdaten die jetzt an viacom übergeben werden müssen auf mehr als 12 Terabyte. Darunter fallen wohl Daten von sogut wie jedem Internetnutzer, denn es dürfte heute wohl nur sehr sehr wenige geben, die nicht zumindest einmal auf youtube geklickt haben.

Noch viel mehr Daten besitzt google, wenn es sich um angemeldete youtube Benutzer handelt.

Viacom versichert zwar, dass sie die Logfiles nur gegen google einsetzen wollen, haben aber trotzdem dadurch umfassende Persönlichkeitsprofile über eine Vielzahl der Internetnutzer in der Hand, mit denen sich schon eine Menge anfangen lässt.

Besonders gefährlich wird es, da dieses Urteil durchaus als Präzedenzfall aufgefasst werden kann. Die meisten Videoportale im Internet stehen derzeit auf der rechtlichen Basis, dass copyrightgeschütztes Material, das von Usern hochgeladen wurde nach beanstandung des Rechteinhabers entfernt wird. Durch dieses Urteil besteht jetzt die möglichkeit, dass alle derartigen Videoplattformen Daten übergeben müssen. Das bedeutet das der Internetnutzer (der ja heute dank google und co ja schon gläsern genug ist) noch wesentlich gläserner wird.

Aber auch rechtliche Konsequenzen hat man dann durchaus zu fürchten.

Derzeit kann Viacom die IP Adressen noch nicht mit den Namen und Adressen der Internetnutzer verbinden da die IP Adressen ja in den meisten Fällen ja dynamisch sind.

Aber dank Vorratsdatenspeicherung ist das leider jetzt nurnoch ein minnimales Hindernis, denn ab 2009 müssen die Provider die Zuordnung von IP Adresse und Name über Jahre hinweg speichern.

Durch die Verbindung von Datensammelwut der Internetkonzerne ala google und co, in Verbindung mit Voratsdatenspeicherung ist unsere Privatsphäre im Internet nichts mehr wert. Außerhalb des Internets natürlich auch nichtmehr.

Den vielleicht besten Vorschlag, wie man mit dem Urteil umgehen könne, lieferte ein Leser des bekannten Technologieblogs TechCrunch. Die kaum fassbare Menge von etwa 12 TeraByte, die alleine die Logdaten verschlingen, mögen von Google doch bitte ausgedruckt in Papierform an Viacom übereignet werden. Schließlich habe das Gericht keine Angabe zur Form gemacht, wie die Daten übermittelt werden.

Quellen bzw weiterführende Lektüre

spiegel

golem

gulli

taz

Ethisches Verhalten bei Konzernen. Wie kann man etwas ändern?

Juli 6, 2008

Ja, ich bin zurück. Derzeit bin ich noch etwas krank, wohl die spätfolgen des vielen saufens, aber bald geht es hier wieder in gewohnter regelmäßigkeit weiter, also bleibt am Ball.

Als ersten Beitrag gibt es heute was kurzes zum Thema ethisches Verhalten bei Konzernen, das habe ich gerade kurz in der PE angeschnitten bei einer Diskussion zum Thema Biosprit. (welcher ja jetzt sogar laut Weltbank die Hauptschuld an den massiven Preissteigerungen bei Nahrungsmittel trägt und damit mitschuld am Elend und Hungertod von millionen Menschen ist. Wahrscheinlich kommt in nächster Zeit was ausführlicheres dazu)

Aber die Frage von Korhal war in dem Thread:

Dann fragt man sich aber selbst als Laie, warum dagegen niemand, der es könnte, was tut?
Die Lösungen liegen auf dem Tisch, man muss sie nur endlich einmal umsetzen…
JETZT!

Die Antwort darauf ist relativ einfach, habe ich auch in dem Thread dann so geschrieben.

Weil eine Lösung keine Milliardengewinne einbringt.
Ethisch „richtiges“ oder zumindest vertretbares Handeln schmälert sogut wie immer die Gewinnspanne, deswegen würde es kein Konzern von sich aus tun. Und nein, das hat nichts damit zutun das Manager alle Monster sind, sondern schlicht mit der Tatsache, dass wir im Kapitalismus leben und sogut wie alle diese Firmen als Aktiengesellschaften aufgebaut sind. Was der einzelne will ist absolut unbedeutend, selbst wenn er Vorstandsvorsitzender ist oder nicht. Macht er etwas, was den Gewinn schmälert wird er abgesetzt, und aus.

Die einzige Möglichkeit wie man also etwas in Bewegung setzen kann ist, indem die Konsumenten Druck machen. Sobald die Gewinneinbußen durch Boykotte und ähnliches größer werden, als der Gewinn durch unmenschliches, ethisch „falsches“ Handeln werden die Konzerne sofort ihr Handeln ändern.

Denn sie sind ja auch nicht grundsätzlich böse, ihnen ist Moral einfach komplett egal, was zählt ist der Gewinn.

Unschuldig bis zum Beweis der Schuld? Nicht für Filesharer!

Juni 26, 2008

Da es technisch nur sehr schwer möglich ist einen Filesharer zu überführen fordert die [[MPAA]] (vergleichbar mit der FSK) jetzt, dass man Schadensersatz von bis zu 150.000 Dollar fordern darf, ohne konkrete Beweise vorlegen zu müssen.

Das das einem der wichtigsten Säulen unseres Rechtssystems (nämlich der Unschuldsvermutung) widerspricht ist für die MPAA und auch die Musikindustrie (die sich an die Forderung natürlich gleich angehängt hat) unwichtig, im Vordergrund stehen ja die Profite. Wenn dafür ein unschuldige abnormale Strafen zahlen müssen ist das zweitrangig.